Gesetzlicher Mindestlohn vs. Branchenmindestlöhne

01.12.2010

Wegweisende Studie: Mindestlöhne kosten keine Jobs

Mindestlohn-Gegner behaupten gerne, dass eine Lohnuntergrenze in Deutschland Jobs gefährde. Nun beweist eine Studie der US-Eliteuniversität Berkeley, die im November 2010 in der „Review of Economics and Statistics“ veröffentlicht wurde: Höhere Mindestlöhne haben in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 16 Jahren keine Jobs vernichtet. „Wir finden keine negativen Beschäftigungseffekte“, so das Fazit.

© Mister Vertilger/ photocase.de

 

Die Studie ist die bislang umfangreichste Untersuchung zu Beschäftigungseffekten von Mindestlöhnen.

Unter dem Titel „Minimum Wage Effects Across State Borders“ untersuchte ein dreiköpfiges Forscherteam um den Berkeley-Professor Michael Reich zwischen 1990 und 2006 die Beschäftigungswirkung von Mindestlöhnen in den USA so detailliert, umfassend und gründlich wie nie zuvor. „Es handelt sich um eine der besten und überzeugendsten Mindestlohn-Studien der vergangenen Jahre“, lobt der Harvard-Professor Lawrence Katz im Handelsblatt. „Der verwendete Datensatz ist weit umfangreicher, der methodische Ansatz breiter als in früheren Untersuchungen“, sagt auch Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, gegenüber der Zeitung.

Die neuen Forschungsergebnisse bestätigen Studien, die zumeist am Beispiel der USA und Großbritannien, aber auch am Beispiel der deutschen Bauindustrie die negative Beschäftigungswirkung von Mindestlöhnen in Frage stellen. Erstmals zweifelten die US-Arbeitsmarktforscher David Card und Alan Krueger bereits 1994 an, dass Mindestlöhne zwangsläufig Arbeitsplätze kosten. Doch ihre Studie, die Fast-Food-Restaurants in zwei unterschiedlichen US-Bundesstaaten und mit unterschiedlichen Mindestlohnhöhen untersuchte, beschränkte sich auf einen relativ kleinen regionalen und zeitlichen Rahmen.

Die Berkeley-Wissenschaftler haben diesen Ansatz nun verfeinert. Sie betrachteten regionale Arbeitsmärkte in den gesamten Vereinigten Staaten und verglichen benachbarte Landkreise über einen langen Zeitraum. Sie verglichen nur Landkreise, die direkte Nachbarn sind, aber in unterschiedlichen Bundesstaaten liegen und somit auch unterschiedliche Mindestlöhne haben, die teilweise bis zu 20 Prozent auseinander klafften.

Die Forscher stellten fest: Höhere Mindestlöhne haben tatsächlich die sozialpolitisch gewünschte Wirkung. Wenn ein Bundesstaat den Mindestlohn erhöhte, stiegen danach auch die Einkommen der betroffenen Beschäftigten. Entlassen wurde wegen der höheren Lohnkosten niemand. Die Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns sind also gleich null.

Möller bezeichnete diese neue Studie im Handelsblatt als „wegweisend“. Sie unterstreiche, dass die Politik bei Mindestlöhnen Handlungsspielraum habe, ohne Jobs zu gefährden. „Wenn bei der Höhe des Mindestlohns nicht überzogen wird, sehe ich nur Vorteile“, so Möller.

 
 

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