Acht bis neun Euro die Stunde wären angemessen

Ich habe bis vor Kurzem als Lkw-Fahrer für ein mittelständisches Fuhrunternehmen gearbeitet. Dann bin ich krank geworden, ein Infekt. Nach zehn Tagen lag die Kündigung im Briefkasten. Mein Chef hat mir gesagt: „Du bist mir zu lange krank. Ich weiß ja gar nicht, wann du wiederkommst.“ Geschrieben hat er das natürlich nicht. Aber da ich noch in der Probezeit war, konnte er mich leicht loswerden.

Verdient habe ich 6,49 Euro brutto die Stunde. Obwohl ich 48 Stunden die Woche unterwegs war, hätte mein Lohn zum Leben nicht ausgereicht, wenn ich nicht mietfrei bei meiner Partnerin wohnen könnte. Wir haben Glück, sie arbeitet im öffentlichen Dienst.

Ich habe Stückgut transportiert, von der kleinen Schraube bis zur Fünf-Tonnen-Achse. Wir Fahrer tragen viel Verantwortung: Wir müssen unseren Lkw selbst beladen, die Ladung vernünftig sichern, wir sind für Kundenkontakte zuständig und werden mit mindestens drei Monatslöhnen in Haftung genommen, wenn die Ware nicht ordnungsgemäß ihr Ziel erreicht. Acht bis neun Euro die Stunde wären da mindestens angemessen als Lohn, finde ich.

Zuvor habe ich als Fahrer für eine Bäckerei gearbeitet - und noch weniger verdient. Wir bekamen zwar nach einiger Zeit Zulagen bezahlt. Doch die ständige Nachtarbeit ging unheimlich auf Körper und Psyche.

Das Problem: Transport ist in Deutschland einfach zu billig. Ich habe drei Jahre lang als selbstständiger Fahrer gearbeitet, ich weiß, wie die Preise sind. Selbst wenn mein Chef wollte: Er könnte mir nicht mehr bezahlen. Es gibt einfach zu viele Unternehmen auf dem Markt, die sich gegenseitig immer weiter unterbieten. In Boom-Zeiten wurde jeder angeworben, der einen Führerschein hatte. Viele Fahrer haben dann später versucht, sich selbstständig zu machen, oder wurden von ihren Arbeitgebern dazu gedrängt. Für die ist das ja gut, die verlagern so das Risiko.

Nun werde ich zum Arbeitsamt gehen und hoffe, dass die mir eine Qualifizierung bezahlen. Ich möchte Sattelzüge und Lastwagen mit Anhänger fahren können. Dann kann ich mich als Fahrer für den Fernverkehr bewerben. Das ist nicht so nervenaufreibend – und besser bezahlt.

Rainer Schimpf (49) (Name geändert), Lkw-Fahrer in Brandenburg