Das ist moderne Sklaverei

Ich habe die Nase voll: Mein Mann arbeitet als Koch in einem Restaurant der gehobenen Klasse. Da gehen Leute essen, die richtig Geld haben, und der Laden brummt. Trotzdem bekommt mein Mann nur 1150 Euro brutto im Monat Festlohn. Das macht 6,65 Euro die Stunde – und Überstunden werden nicht bezahlt.

Ich gehe zwar jeden Tag zweieinhalb Stunden putzen in der Schule im Ort. Unser Einkommen reicht aber trotzdem nicht aus zum Leben für uns und unsere beiden Kinder. 652,50 Euro bekommen wir monatlich vom Jobcenter hinzu, das ist ein beschissenes Gefühl. Die Kinder werden trotzdem gehänselt, weil sie nicht Markenklamotten tragen können wie die anderen, und wir können nicht mal ins Kino gehen. Für die Kinder ist das echt schlimm: Ständig müssen wir Nein sagen, wenn sie mit Freunden weggehen und dafür Geld haben wollen. Mein Sohn, er ist 14, hat neulich gesagt: „Ich werde Kfz-Mechatroniker. Da kann man wenigstens von leben!“

An unseren letzten Urlaub kann ich mich kaum noch erinnern. Fünf Jahre ist der mindestens her. Damals haben wir Campingurlaub gemacht im Wohnwagen meiner Schwiegermutter. Das kostet aber auch – und im Moment haben wir das Geld einfach nicht.

Ohne die Schwiegermutter ginge gar nichts. Immer wieder kauft sie Kleidung für die Kinder, und neulich hat sie uns ihr altes Auto geschenkt. Nun können wir die Kinder wenigstens mal abholen, wenn sie im Nachbarort bei Freunden zu Besuch sind. Busse fahren hier ja nur selten oder gar nicht.

Mein Mann hat früher auf dem Bau gearbeitet. Dann hatte er einen Schlaganfall und hat eine Umschulung zum Koch gemacht. Er hat lange suchen müssen, bis er seinen jetzigen Job gefunden hat. Das war vor fünf Jahren. Damals sagte sein Chef ihm: „Anfangs kann ich nicht so viel zahlen. Aber das wird mehr.“ Tatsächlich hat mein Mann in der Zeit einmal eine Gehaltserhöhung bekommen: um ganze sieben Euro.

Wir sprechen oft darüber, dass er mehr Geld verlangen müsste. Doch er traut sich nicht. Es gibt genug Köche, die auf der Straße stehen. Und in seinem Alter ist es nicht leicht, einen besseren Job zu finden. Ich finde, er müsste mindestens so viel verdienen, dass wir nicht mehr vom Amt abhängig sind. So ist das moderne Sklaverei.

Susanne (40) und Detlev Brahm (45) (Namen geändert), Reinigungskraft und Koch in Nordrhein-Westfalen