Das ist einfach nicht fair!

Mein Arbeitgeber hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht, um den Mindestlohn zu umgehen: Obwohl ich in einer ganz normalen Bäckerei arbeite, werde ich seit Januar nach dem Tarifvertrag für das Konditorenhandwerk bezahlt. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Normalerweise würden mir nun mindestens 8,50 Euro die Stunde brutto zustehen. Für das Konditorenhandwerk in Nordrhein-Westfalen gibt es aber eine Übergangsregelung. Danach dürfen geringfügig beschäftigte Aushilfen 7,97 Euro brutto die Stunde bezahlt bekommen. Erst Anfang 2017 gilt auch für sie der allgemeine Mindestlohn.

Ich finde das ziemlich beschissen, muss es aber wohl hinnehmen. Ich habe mich erkundigt: Anscheinend ist das, was mein Arbeitgeber macht, nicht gesetzeswidrig. Dabei wären nicht mal 10 Euro brutto die Stunde zuviel für die Arbeit, die ich leiste. Viele denken ja: „Ach, die verkauft doch nur ein paar Brötchen.“ Die sehen aber nicht das, was wir noch alles leisten müssen, damit der Laden überhaupt läuft: das viele Putzen, das Aufräumen, das Schleppen und Auspacken der Kisten mit den Backwaren, die Kasse. Und ein Lächeln auf den Lippen sollen wir auch immer haben.

Hinzu kommt: Wenn ich krank bin, zahlt mir mein Arbeitgeber keinen Lohn. Bei Urlaub ist es genauso. Das ist in jedem Fall ein klarer Verstoß gegen das Gesetz – und auch gegen den Tarifvertrag, der für uns angewendet wird. Ich habe mir den neulich mal besorgt. Da steht ganz klar drin: Bei Krankheit oder Urlaub gibt es Lohnfortzahlung.

Ich werde nun mit unserem obersten Chef sprechen. Wenn sich das nicht ändert, werde ich mithilfe der Gewerkschaft einen Brief verfassen. Ob ich zur Not vors Arbeitsgericht ziehen werde, weiß ich noch nicht. Ich arbeite eigentlich gerne in meinem Job. Andererseits finde ich: Mein Arbeitgeber verlangt von mir, dass ich mich an die Arbeitsgesetze halte. Wenn er das aber selbst nicht auch macht, ist das einfach nicht fair.

Minijobberin (47) in einer Bäckerei in Nordrhein-Westfalen