Migration

22.03.2011

Migranten arbeiten besonders oft prekär

Prekäre Beschäftigung und niedrige Löhne greifen um sich. Doch neu sind diese Probleme nicht. Für viele Migrantinnen und Migranten gehören sie bereits seit Jahren zum Alltag. „Migrationshintergrund“ hat viele Gesichter – und eine lange Geschichte. Rund sieben Millionen Menschen mit einer ausschließlich ausländischen Staatsangehörigkeit leben in Deutschland; sie sind Ausländer im Sinne des Ausländergesetzes.

© gabs0110/ photocase.de

 

Hierzu zählen sowohl Studenten aus den USA, Saisonarbeiterinnen aus Ungarn, Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien, Gastprofessoren aus Senegal als auch ehemalige Gastarbeiter aus der Türkei, die seit 30 Jahren hier verwurzelt, aber nach wie vor türkische Staatsbürger sind. Einen „Migrationshintergrund“ haben aber auch all jene, die sich in den letzten Jahren haben einbürgern lassen oder die als Aussiedler mit deutscher Staatsbürgerschaft in die Bundesrepublik gekommen sind.

Migration hat es schon immer gegeben, man denke an Preußens Einladung an die französischen Hugenotten im 17. und 18. Jahrhundert, an die Zuwanderung polnischer Arbeiter ins Ruhrgebiet in Zeiten der Industrialisierung oder an die Auswanderung zahlreicher Deutscher in die USA im 19. Jahrhundert. Wenn heute von Migranten die Rede ist, sind oft ehemalige Gastarbeiter gemeint, die die Bundesrepublik in den 1950er, 60er und 70er Jahren anwarb und die das deutsche Wirtschaftswunder ermöglichten, ihre Familien, Kinder und Enkelkinder. Aber auch von Flüchtlingen, Asylbewerbern und Geduldeten wird als Migranten gesprochen – oder von der unbekannten Zahl illegal in Deutschland lebender Menschen ohne Papiere und rechtliche Sicherheiten.

Menschen migrieren überwiegend aus ökonomischen Gründen, sind also in der großen Mehrzahl „Arbeitsmigranten“. Als solche sind sie oft spezifischen Benachteiligungen ausgesetzt.

 

Mehr zum Thema

„Entscheidend für Integration ist ein guter Job mit fairer Bezahlung – die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Das ist unsere Erfahrung mit Zuwanderung – seit Jahrzehnten.“ Das MIGRATION SPEZIAL der ver.di Mitgliederzeitschrift PUBLIK von Dezember 2010 nimmt die verschiedenen Facetten der Migration im gewerkschaftlichen Alltag unter die Lupe.

Die Ausgabe 2/2010 des IAB Forum, einer Publikation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), widmet sich den Themen Migration und Integration. Es enthält Beiträge zur Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Beschäftigte aus den osteuropäischen EU-Neumitgliedern, zur beruflichen Weiterbildung von Arbeitslosen mit Migrationshintergrund und zur Frage nach einem gesetzlichen Mindestlohn.

Auf migration-online.de des DGB Bildungswerks finden Sie Informationen, Fakten und Daten rund um das Thema Migration und Arbeitswelt.

Auf dem Arbeitsmarkt werden Migranten diskriminiert

Menschen mit Migrationshintergrund sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit und prekärer Beschäftigung betroffen. Viele derjenigen, die in der Nachkriegszeit als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, waren in den arbeitsintensiven und niedrig qualifizierten Bereichen der industriellen Produktion beschäftigt. Durch Rationalisierungen und Standortverlagerung verloren seit den 1990er Jahren viele ihre Arbeitsplätze. Aufgrund geringer formaler Qualifikationen blieb ihnen oft nur eine Anstellung im Niedriglohnsektor oder die prekäre Selbstständigkeit. Oder die Leiharbeit: Etwa 60 Prozent der Leiharbeitnehmer haben einen Migrationshintergrund.

Aber auch Jugendliche mit Migrationshintergrund haben Nachteile auf dem Arbeitsmarkt. Das deutsche Bildungssystem diskriminiert sie: Überdurchschnittlich viele verlassen die Schule nur mit einem Hauptschulabschluss. Aber selbst bei gleicher Qualifikation sind sie Diskriminierungen ausgesetzt. Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) belegt, dass die Chance, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, um 14 Prozent sinkt, wenn ein Bewerber einen nicht deutsch klingenden Namen hat. In kleinen Betrieben stehen die Chancen sogar noch schlechter.

Auch tut sich Deutschland schwer bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen aus den Herkunftsländern. Die Folge: Viele gut ausgebildete Migrantinnen und Migranten müssen schlecht bezahlte Jobs weit unter ihrer Qualifikation annehmen. Da eine geringe formale Qualifikation ein wichtiger Grund für Arbeitslosigkeit ist, sind Migrantinnen und Migranten auch besonders oft erwerbslos.

Ein Mindestlohn fördert die Integration

Bei Flüchtlingen und Geduldeten wirken sich rechtliche Benachteiligungen negativ auf ihre Arbeitsmarktchancen aus. Wer einen unsicheren Aufenthaltsstatus hat, hat es schwer auf dem Arbeitsmarkt und muss mit schlecht bezahlten und unsicheren Jobs Vorlieb nehmen. Flüchtlinge und Asylsuchende, aber auch Geduldete haben nach wie vor kaum Chancen auf einen guten Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Denn auf dem Arbeitsmarkt haben Deutsche und EU-Bürger Vorfahrt.

Arbeitslosigkeit, unsichere Beschäftigung und niedrige Löhne führen zu Armut, und Armut führt zu Ausgrenzung. Denn am gesellschaftlichen Leben kann in vollem Umfang nur teilnehmen, wer über finanzielle Mittel verfügt.

Ein flächendeckender Mindestlohn käme daher Migrantinnen und Migranten sowie Menschen mit Migrationshintergrund in besonderem Maße zu Gute. Er würde ihre materielle Teilhabe verbessern, Ungleichheiten eindämmen und so die Integration fördern. Der Mindestlohn öffnet Türen in ein würdevolles Leben.

 
 

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