Kinderarmut

14.04.2011

Wenn Löhne sinken, steigt die Kinderarmut

Der Niedriglohnsektor breitet sich immer weiter aus. Das hat verheerende Folgen auch für die nachfolgende Generation, wie eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt. Demnach galten 2008 genau 15,6 Prozent der Kinder in Deutschland als arm. Unter Kinderarmut wird der Anteil der unter 15-jährigen gefasst, die Hartz IV-Leistungen beziehen, weil das Einkommen der Eltern für ihren Unterhalt nicht ausreicht.

© lunia/ photocase.de

 

Der Studie zufolge besteht dabei ein deutliches Gefälle zwischen Städten und ländlichen Gegenden sowie zwischen östlichen und westlichen Bundesländern.

In der Bundeshauptstadt Berlin ist die Quote mit 35,7 Prozent am höchsten, gefolgt von Bremen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 30 Prozent. In den übrigen neuen Bundesländern und Hamburg liegt die Kinderarmut zwischen 28,3 (Mecklenburg-Vorpommern) und 22,1 Prozent (Thüringen).

Kinderarmut nach Bundesländern
Berlin 35,7 %
Bremen 30 %
Sachsen-Anhalt 30 %
Mecklenburg-Vorpommern 28,3 %
Thüringen 22,1 %
Nordrhein-Westfalen 17,2 %

 

In den Flächenländern im Westen Deutschlands ist die Quote zum Teil deutlich geringer. Am höchsten ist sie in Nordrhein-Westfalen mit 17,2 Prozent.

Bei der Veröffentlichung der Studie erklärte Brigitte Mohn, Mitglied im Vorstand der Bertelsmann Stiftung, „das Leben in Armut“ gehe oft „mit sozialer Ausgrenzung der Kinder und schlechten Bildungschancen einher“. Aufgrund knapper Kassen hätten Kreise, Städte und Gemeinden „kaum noch Spielräume für gezielte Hilfen“.

Allein zwischen 2005 und 2010 stiegen die Ausgaben der Kommunen für soziale Leistungen laut Bertelsmann Stiftung um 19 Prozent auf 42,2 Milliarden Euro und machen im Schnitt bereits fast ein Viertel der kommunalen Haushalte aus. Steuergelder, die als indirekte Unternehmenssubventionen missbraucht werden. Denn die aufstockenden Sozialleistungen machen es Unternehmen erst möglich, Löhne unterhalb des Existenzminimums zu zahlen. Ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde würde diesen unternehmerischen Sozialmissbrauch eindämmen. Es könnten wieder mehr Menschen von ihrem Arbeitseinkommen leben und weniger Kinder wären von Armut betroffen. Zudem hätten die Kommunen wieder mehr Mittel für andere wichtige Aufgaben, wie die Ausstattung von Schulen und den Betrieb von Schwimmbädern, zur Verfügung.
 

 
 

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