Gesetzlicher Mindestlohn vs. Branchenmindestlöhne

06.03.2011

Ausbeutung osteuropäischer Bauarbeiter in München

Im Bauhauptgewerbe wurde bereits 1997 der deutschlandweit erste Mindestlohn eingeführt. Erklärtes Ziel war es bereits damals, das Lohndumping  auf dem Bau zu stoppen, den Unternehmen durch den Einsatz von osteuropäischen Arbeitnehmern zu Dumpinglöhnen betreiben. Doch noch immer versuchen Firmen, den Mindestlohn zu umgehen und ihre Arbeiter auszubeuten. Ein aktueller Fall macht selbst die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FSK) des Münchner Zolls sprachlos.

© view7/ photocase.de

 

Auf einer Baustelle in Schwabing wurden rumänische Arbeiter unter menschenunwürdigen Umständen beschäftigt. Sie schufteten im Februar 2011 220 Stunden für etwa vier Euro pro Stunde an einer Wohnsiedlung, in der 59 Wohnungen und acht Reihenhäuser entstehen sollen. Üblicherweise arbeiten Beschäftigte auf dem Bau in Bayern 170 Stunden pro Monat für einen Mindestlohn von 10,29 Euro pro Stunde. Zudem wurden die elf rumänischen Arbeiter zu dritt oder viert in „alten, stinkenden und dreckigen Containern“ untergebracht, berichtet der Chef der FSK in München, René Matschke. „So etwas haben wir noch selten gesehen“, sagte er gegenüber der

Süddeutschen Zeitung

.

Die Rumänen seien auf der Baustelle für einen Sub-Sub-Unternehmer des Generalunternehmers tätig geworden und hätten die Dumpinglöhne bereits in ihrer Heimat vereinbart. Sieben der elf Männer hätten wegen der widrigen Umstände bereits gekündigt und ständen nun teilweise sogar ohne Geld da. „Sie wissen nicht einmal, wie sie nach Hause kommen sollen“, erklärt Matschke.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bestreitet der Generalunternehmer von den miserablen Beschäftigungsbedingungen gewusst zu haben. Man sei davon ausgegangen, dass die Rumänen korrekt entlohnt worden seien. Den Vorwürfen wolle man allerdings nachgehen.

Bundesweit überprüfte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mit ihren aktuell 6.500 Beschäftigten 2009 51.600 Unternehmen, die in Branchen aktiv sind, wo Mindestlöhne gelten. Durch die von den Gewerkschaften bemängelte Unterbesetzung der Behörde bleiben viele schwarze Schafe unentdeckt und drücken gegen das Gesetz die Löhne.

 
 

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