Dumpinglöhne

31.03.2011

Kaum Brutto bei Netto

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wirft dem Lebensmitteldiscounter Netto vor, sittenwidrige Löhne zu zahlen und Tarife systematisch zu unterlaufen. Die zum Edeka-Konzern gehörige Kette hatte 2007 die Märkte des Konkurrenten Plus übernommen. 

© complize/ photocase.de

 

Da die dort Beschäftigten „ein Recht auf Tariflohn hatten, wurden bei ihnen die Arbeitszeiten reduziert und die Lücken mit Minijobbern gefüllt“, wird ver.di-Sekretär und Einzelhandelsexperte Folkert Küpers in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zitiert. Bundesweit seien bereits rund 30.000 der 72.000 Netto-Beschäftigten geringfügig beschäftigt.

Der Zeitung liegt der Arbeitsvertrag eines Minijobbers vor, in dem ein Stundenlohn von 5,50 Euro festgelegt ist. Tariflichen Zulagen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld werden mit einem weiteren Euro pro Stunde abgegolten. Nach Aussage von ver.di handelt es sich dabei keinesfalls um eine Ausnahme. Dabei schreibt der Tarifvertrag, der seit knapp einem Jahr auch bei Netto gilt, einen untersten Stundenlohn von 7,85 Euro vor.

Jobcenter zwingen Arbeitslose, sittenwidrige Löhne zu akzeptieren

Eine Unternehmenssprecherin wollte die ver.di-Vorwürfe und den von der WAZ recherchierten Fall nicht kommentieren. „Grundsätzlich befinden sich die Löhne des größten Teils unserer Mitarbeiter auf bzw. über dem Tarifniveau“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme der Netto AG.

Liselotte Hinz, die bei ver.di in NRW den Fachbereich Handel leitet, richtet ihre Kritik auch an die Jobcenter, die Hartz IV-Empfänger unter Androhung von Sanktionen in die 325-Euro-Stellen bei Netto vermittelt hätten. Es könne nicht sein, dass die Behörden „Arbeitslose zwingen, solche Stellen anzunehmen“, wird Hinz in der WAZ zitiert.

Ver.di fordert die Betroffenen nun auf, gegen Netto zu klagen. Im März 2009 hatte ein Arbeitsgericht Stundenlöhne von 5,20 Euro beim Textildiscounter Kik als sittenwidrig eingestuft. Das Unternehmen war damals zur Nachzahlung von Löhnen und Sozialabgaben mehrerer Jahre verpflichtet worden.

 
 

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