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„Ich finde es erniedrigend und beschämend, dass ich als examinierte Fachkraft so schlecht bezahlt werde und wir als Familie Hilfe vom Staat beantragen müssen, um über die Runden zu kommen- obwohl mein Mann ebenfalls arbeitet...“
Über 1.500 Meldungen aus dem ganz normalen Arbeitsleben ohne gesetzlichen Mindestlohn sind auf dem Dumpinglohnmelder eingegangen. Geschrieben mit dem Ärger, allein wenig gegen Niedriglöhne auszurichten. Und doch mit der Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte, wenn alle Betroffenen zusammen halten.
Und wenn die Politik endlich macht, was eine ihrer wichtigsten Aufgaben sein sollte: Arbeitsbedingungen zu schaffen, bei denen die Menschen von ihren Einkommen leben können und nicht auf Leistungen der Allgemeinheit angewiesen sind.
Einige dieser Niedriglöhner erzählen ihre Geschichte jetzt ausführlicher. „Leben ohne Mindestlohn – Arm wegen Arbeit“ heißt das Buch, in dem Menschen zu Wort kommen, denen sonst kaum jemand Gehör schenkt. Sie berichten ungeschminkt von kargen Löhnen, von der Erniedrigung, staatliche Hilfe beantragen zu müssen, dem unter Schwindsucht leidenden Bankkonto, miserablen Arbeitsbedingungen und Chefs, die ihnen das Gefühl geben, an den Armutslöhnen selbst schuld zu sein. Und von ihrem ungebrochenen Willen nach Veränderung.

Günter Wallraff, Frank Bsirske, Franz-Josef-Möllenberg (Hrsg.):
„Leben ohne Mindestlohn - Arm wegen Arbeit”
Niedriglöhner, Leiharbeiter und Aufstocker erzählen
ist im VSA-Verlag, Hamburg, erschienen und im Buchhandel
sowie online erhältlich.
ISBN 978-3-89965-447-9
176 S. 12,80 Euro
Es geht dabei nicht um eindringliche Reportagen, sondern um Selbstzeugnisse von Betroffenen. Günter Wallraff, der bekannte Undercover-Reporter Deutschlands ist einer der drei Herausgeber – mit ver.di-Chef Frank Bsirske und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg. Beide Gewerkschafter hatten 2006 die „Initiative Mindestlohn“ ins Leben gerufen, um einen gesetzlichen Mindestlohn durchzusetzen.
„Leben ohne Mindestlohn – Arm wegen Arbeit“ ist alles andere als ein Sammelband von traurigen Geschichten. Er ist auch Ermutigung und Hoffung auf bessere Bedingungen.
So berichtet der Betriebsrat einer Backwarenfabrik in der Altmark vom Kampf gegen Stundenlöhne von fünf bis sechs Euro, eine Personalrätin vom langen Atem gegen Leiharbeit im eigenen Unternehmen und ihrem Kampf dagegen.
Niedriglöhne sind unanständig, sagt auch Ernst Prost, Inhaber und Geschäftsführer von „Liqui Moly“. Warum er für Mindestlöhne ist? „Das Gegenteil von Mindestlöhnen sind Hungerlöhne. Mit fünf, sechs oder sieben Euro die Stunde kann niemand seine Familie ernähren.
Das sieht auch Michael Haas so. Der Fischbistro-Betreiber von der berühmten Heringsdorfer Ostseebrücke bezahlt „aus Prinzip“ anständige Löhne. „Die Mitarbeiter verdienen für uns das Geld. Also müssen sie auch korrekt bezahlt werden.“ Wer als Arbeitgeber Hungerlöhne bezahle, bereichere sich an der Allgemeinheit. „Das ist eine Sauerei“.
Zahlen und Fakten stellen den Zusammenhang dar, anschauliche Analysen im Buch zeigen, warum im reichen Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit etwa 1, 4 Mio. Menschen darauf angewiesen sind, ihr Einkommen mit staatlichen Mitteln „aufzustocken“ und wie einfach es für private Firmen immer noch ist, am Lohn zu sparen. Die Folge: von den Arbeitnehmern wird verlangt, dass sie steuerfinanzierte Lohn-Zuschüsse für ihr (Über-)Leben beantragen.
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Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch das Jobwunder made in Germany hat eine Kehrseite: Die neuen Arbeitsplätze sind oft unsicher, befristet und schlecht bezahlt. Leiharbeit und Minijobs breiten sich aus, die Lohnentwicklung zeigt nach unten. „Armut im Aufschwung - Der Boom der Billiglöhne“ - darüber diskutiert Thomas Leif in der SWR-Sendung 2+Leif mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Oskar Lafontaine, Fraktionschef der LINKEN im Saarland. SWR, 02.05.2011
Bei der Geburt sind alle Menschen gleich? Von wegen. Ob ein Mensch arm oder reich geboren ist, entscheidet von Anfang an über seine Entwicklungschancen. Die WDR Sendung Quarks & Co. ist den wichtigsten Fragen zum Thema nachgegangen: Wann ist ein Mensch arm, und wie ist der Reichtum in der Gesellschaft verteilt? Welche Chancen haben arme und reiche Kinder in Deutschland auf Karriere, Glück und Gesundheit?
Quarks & Co „Bist du reich genug?“, Sendung vom 12.4.2011
Jung, ausgebildet - prekär beschäftigt. Die Wirtschaft nimmt nach der Krise wieder Fahrt auf, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch so richtig profitieren die jungen Arbeitnehmer noch nicht vom Aufschwung. Leiharbeit und befristete Jobs: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse prägen ihre noch kurzen Erwerbsbiografien. ZDF.reporter, Sendung vom 11.11. 2010
Die gesetzliche Rente für die heute 30- bis 40-jährigen wird mager ausfallen und in Ostdeutschland sogar bedrohlich klein. Der Grund ist lange bekannt: immer weniger Menschen haben lebenslang eine Vollzeitstelle zu einem Tariflohn. „Normal“ werden Phasen ohne Arbeit, oder Teilzeitjobs oder Niedriglöhne, usw. Altersarmut verhindern, aber wie? Markus Schmidt und Kim Otto über - Umschichtung."
Monitor, 25.03.2010