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Zeitarbeit

30 Arbeitsverträge innerhalb von zwei Jahren

Produktion Stahlwerk/Kranfahrer: Auch Bildung schützt nicht... Zurzeit bin ich 34 Jahre alt und ledig. Ich habe mit 17 die mittlere Reife erhalten und wurde Beamter. Finanziell ging es mir wirklich gut - mit rund 2.600 Deutsche Mark, die ich noch im Jahre 2000 erhalten habe. Doch ich wollte ein noch „besseres“ Leben haben. Was tut man, um die Karriereleiter zu erglimmen? Zuerst drückt man noch einmal die Schulbank und schiebt ein Vollzeitstudium hinterher!

Das Ergebnis: Nach acht Jahren Schule und Studium (Diplom-Wirtschaftsjurist FH), Abschlussnote „gut“, Auslandssemester)gibt es nichts außer Hartz IV und Arbeit bei Leiharbeitsunternehmen! Seit Anfang 2008 bin ich nun mit dem Studium fertig und habe mich - es sollte ja nur vorübergehend sein, bis ich eine „feste“ Arbeit habe – bei einem Leiharbeitsunternehmen gemeldet. Gleich darauf bekam ich auch Arbeit - in der Produktion. Der Verdienst in Luxemburg war ja nicht schlecht, rund 9 Euro netto die Stunde. Dafür bekam ich Arbeitsverträge, die auf maximal 2 Wochen befristet waren! Einmal wurde ich nur für zwei Stunden eingestellt! Für zwei Stunden!!! Im Unternehmen musste man mir noch Arbeit suchen, damit ich dann wenigstens einen ganzen Tag (acht Stunden) bleiben konnte. Durch solche kurzfristigen Arbeitsverträge kam ich also auf fast 30 Arbeitsverträge innerhalb von ein bis zwei Jahren. Zwischendurch immer Hartz IV (was die meiste Zeit ausmacht). Als Hartz-IV-Empfänger hat man ja die Pflicht, mindestens drei Bewerbungen im Monat zu schreiben. Und so kam ich über die Bundesagentur für Arbeit auch zu der nächsten Stelle.

Jetzt schreiben wir August 2010 - zweieinhalb Jahre nach meinem Studium und genau zehn Jahre nachdem ich Beamter im mittleren Dienst war - und arbeite über ein Leiharbeitsunternehmen in einem Stahlwerk für 7,60 Euro brutto die Stunde bei 35 Stunden die Woche. Was ich als Lohn rausbekomme, weiß ich noch nicht ganz, weil ich mit der Arbeit erst angefangen habe. Die 800-Euro-Grenze (netto) werde ich wohl nicht schaffen. Ich habe gesehen, dass die Brutto-Arbeitslohnschwelle im Jahre 2008 bei 9,61 Euro (für den Westen) liegt und 22 Prozent der Beschäftigten in diesem Niedriglohnsektor arbeiten. Da habe ich dieses Ziel wohl knapp verfehlt.
Die Beamtenstelle, die ich vor zehn Jahren aufgab, freut sich heute über ein Nettogehalt von ungefähr 1.700 - 1.800 Euro (mittlerer Dienst). Ich will aber nicht nur den finanziellen Aspekt hervorheben, sondern die Lebensqualität hat insgesamt enorm gelitten!!

Aber ich wollte es ja mal „besser“ haben und Wirtschaftsjurist werden...

-Rheinland Pfalz-313-




Schließlich musste ich einen Aufhebungsvertrag unterschreiben

Schlosser: Ich arbeite jetzt seit drei Jahren für eine Zeitarbeitsfirma. Ich bin gelernter Anlagenmechaniker-Schweißtechnik. Die ersten zwei Monate hatte ich einen Lohn von über 9 Euro brutto. Schließlich musste ich einen Aufhebungsvertrag unterschreiben um weiterhin für 7,30 Euro brutto beschäftigt zu werden. Da man angeblich nur noch Hilfsarbeiterjobs zu vergeben hatte. Das ich weiterhin Schlossertätigkeiten ausführte und auch geschweißt habe, war wohl unerheblich. Zuletzt hat noch meine Firma mit dem Entleiher ausgemacht, er könne mir bei 12 Stunden Arbeit am Tag eine Stunde Pause abrechnen. Nur das ich nie eine Stunde Pause hatte! Meistens gar keine und wenn es hoch kam 15 Minuten. Zudem ging der Entleiher noch zur Zeitarbeitsfirma, um meinen Lohn zu senken, da er ja schließlich sparen müsste. Ich verdiene um die 840 Euro netto. Und wenn man davon die Fahrtkosten von 120 Euro abzieht bleibt nicht viel. Bei Krankheit wurde man bedroht, sein Job zu verlieren. Wobei es sich um Arbeitsunfälle handelte (Augen zwei Mal verblitzt).

-NRW-288-




ALG II trotz Arbeit

Ich habe bis Dezember bei einer großen Drogeriekette, also über eine Leiharbeitsfirma auf 400 Euro Basis, gearbeitet, um von Arbeitslosengeld 2 weg zu kommen. Zum 21. Dezember habe ich einen Arbeitsvertrag mit einer Leiharbeitsfirma unterschrieben - meine Freude war erst riesig, nach vielen Jahren wieder ein Arbeitsvertrag. Und dann kam der Hammer: 6,78 Euro Brutto-Stundenlohn! Ich sollte die Hälfte des Lohnes der in der Drogerie direkt Beschäftigten arbeiten. Ich fühle mich total veralbert und nach wie vor wie eine 2. Klasse-Mitarbeiterin. Ich gehe arbeiten und muss aber trotzdem weiter Arbeitslosengeld 2 beziehen. Ich habe keinen Euro mehr!
-Bayern-260-




Akkordarbeit

Zimmermädchen: Ich bin Fernstudentin und jobbe nebenbei (Vollzeit) sozusagen um mein Studium zu finanzieren. Ich arbeite für eine Leiharbeitsfirma in einem 4-Sterne-Hotel als Zimmermädchen. Mein Lebenspartner - ohne den dies nicht funktionieren würde - hat (ein Glück) eine sehr gute Arbeitsstelle. Wir arbeiten hier seit Juni teilweise 10 Stunden am Stück und bekommen pro Zimmer 2,10 Euro brutto. Man schafft bei bleibenden Gästen so circa 10 Zimmer die Stunde, ansonsten was öfters der Fall ist, so 4 Zimmer die Stunde. Und bei Grundreinigungen, d.h. mit Betten auseinander ziehen, Möbel hin und her rücken usw. schafft man so 2 Zimmer die Stunde. Vertröstet wird man mit der Aussage, dass man ja Akkordarbeit macht und dafür unterschrieben hat. Super!!

-Sachsen-Anhalt-235-




Übernahme wird verhindert

Mechaniker: Ich arbeite jeden Monat mindestens 160 Stunden und verdiene maximal 1.176 Euro brutto. Ich werde von einer Firma in die andere geschickt, und wenn sich dann eine Firma gefunden hat, die mich übernehmen möchte, kann diese es nicht, da sie dann eine Ablöse in mehreren tausend Euro an die Verleihfirma zahlen müsste. Ich weiß nicht genau, aber langsam kann ich verstehen, warum so viele ALG-2-Empfänger es aufgegeben haben, sich Arbeit zu suchen – denn letztlich habe ich fast das gleiche Geld vom Amt, als wenn ich jeden Monat 160 Stunden arbeiten gehe.

-Bremen-232-




Facharbeiter zum Hilfsarbeiterlohn

Ich bin als Helfer eingestellt und führe meistens Facharbeitertätigungen in meinen Einsätzen durch. Seit Februar 2009 fahre ich täglich 110 Kilometer einfach zum Einsatzort für durchschnittlich rund 850 Euro brutto. Ich habe monatlich 400 Euro Benzinkosten und der Rest muss für Miete, Versicherung, Strom etc. sowie Fahrzeugwerterhaltung reichen? Das grenzt für mich schon eher an Ausbeutung.

-Sachsen-199-




Weite Arbeitswege für 850 Euro

Ich wohne allein und muss mit 850 Euro auskommen. Meine Zeitarbeitsfirma schickt mich weite Strecken: In drei Wochen bin ich rund1.200 Kilometer zur Arbeit gefahren. Das klappt mit dem Lohn vorne und hinten nicht. Ich kann nicht mehr meine Rechnungen bezahlen. Fragt man nach mehr Lohn, kriegt man Sprüche wie „seien sie froh, dass sie arbeiten dürfen“. Ich arbeite seit sieben Jahren so. Ich bin nervlich am Ende.

-NRW-179-




Auf 28 Quadratmeter leben bei 6,42 brutto

Seit mehreren Jahren habe ich einen inzwischen unbefristeten Arbeitsvertrag bei einer Zeitarbeitsfirma. Ich bin in der niedrigsten Lohngruppe (Ost) beschäftigt – 6,42 Euro Brutto-Stundenlohn. Ich muss an allen Wochentagen arbeiten, tagsüber oder nachts. Auch samstags, sonntags und an Feiertagen im 4 Schicht-System (rollende Woche) bis zu 7 Tagen in Folge. Es gibt kein Urlaubsgeld. Ich lebe allein in einer 28 Quadratmeter-Einzimmerwohnung.

-Sachsen-169-




Ich arbeite jeden Tag von 7 bis 17 Uhr und komme auf knapp 190 Stunden im Monat. Ich bekomme aber nur 140 Stunden ausgezahlt, der Rest wandert jeden Monat auf ein Zeitkonto. Erst ab 150 Stunden bekommt man sie ausgezahlt. Wir kommen vorne und hinten nicht klar (Brutto-Stundenlohn: 6,53 Euro). Wenn man sich beschwert, heißt es: „ich solle froh sein, Arbeit zu haben“. Jetzt muss ich auch noch samstags arbeiten.

-NRW-163-




5,53 brutto kein Überstundenausgleich- bei Beschwerde Entlassung!

Mein Stundenlohn beträgt 5,53 Euro brutto. Ich muss jeden Tag mindestens zehn stunden arbeiten, an 2 bis 3 Tagen werden wir gezwungen sogar mehr als 12 Stunden zu leisten. Die überstunden werden aber nicht ausgezahlt, sie werden lediglich auf ein so genanntes Überstundenkonto gebucht. Wenn sich jemand beschwert wird er entlassen.

-Bayern-145-




50% des Bruttolohns der Festangestellten

Die Betriebsratsvorsitzende bei unserer Zeitarbeitsfirma hat keine Ahnung, was in den Betrieben abgeht: Die neue Disponentin behandelt die Leiharbeiter wie Sklaven. 50 Prozent des Bruttolohns im Vergleich zu dem, was die Festangestellten bekommen, ist gang und gebe.

-Baden-Württemberg-96-




Bei Beschwerden bei der Gewerkschaft wird gnadenlos entlassen

Mein Stundenlohn beträgt 5,53 Euro brutto. Ich muss jeden Tag mindestens zehn Stunden arbeiten, an 2-3 Tagen werden wir gezwungen sogar mehr als 12 Stunden zu leisten, die Überstunden werden aber nicht ausgezahlt, sie werden lediglich auf ein so genanntes Überstundenkonto gebucht. Wenn sich jemand beschwert oder gar die Gewerkschaft oder Gewerbeaufsicht einschaltet, wird gnadenlos entlassen und alles geht genauso weiter.

-Bayern-64-




6,14 Euro pro Stunde bei einer 14-Stunden Schicht

Wir arbeiten in unserem Unternehmen alle als so genannte „Versandhilfen“ - daher kann man uns allen den Lohn von 6,14 Euro zahlen, egal welcher Tätigkeit wir nachgehen. Wir sind auf Abruf eingestellt, das heißt, es werden auch schon mal 12- oder 14-Stunden-Schichten gefahren. Der Umgang seitens der fest angestellten Leute der Druckerei mit uns ist kaum zu beschreiben. Keine Achtung, kein Respekt nichts.

-Schleswig-Holstein-42-




6,92 Euro brutto- keine Chance auf einen zweiten Job

Ich bin seit acht Jahren bei der Zeitarbeitsfirma (6,92 brutto Stundenlohn; 1.200 Euro brutto im Monat) und finde hier nirgends eine Festanstellung, weil ich angeblich zu alt bin (56 Jahre). Ohne das Einkommen meiner Frau könnten wir nicht leben. Aber sie bekommt jetzt weniger durch die Altersteilzeit. Einen zweiten Job kann man gar nicht annehmen, weil durch die Zeitarbeit nie klar ist, wann und wo man arbeiten muss. Angeblich bekomme ich noch mehr Lohn als meine Kollegen und soll deshalb den Mund halten. Wir können nichts sparen, kommen nur gerade so über den Monat und für die Rente bleibt null komma nichts. Die Angst vor der Zukunft wird man nicht los.

-Brandenburg-36-




In 14 Tagen 104 Stunden Arbeit für 300 Euro

Ich habe kurz für die Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Dort habe ich fast täglich zwei Schichten gemacht, habe am Wochenende und Pfingsten gearbeitet. Ich habe in 14 Tagen 104 Arbeitsstunden geleistet und habe am Ende dafür rund 300 Euro erhalten. Auf meine Abrechnung und meine Papiere warte ich heute noch. Nie wieder Zeitarbeit.

-Brandenburg-33-



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