Einzelhandelskaufmann: Seit einem Jahr arbeite ich nun im Franchise-Einzelhandel. Alle Überstunden wie zum Beispiel wenn wir bis 24 Uhr geöffnet haben, machen wir „freiwillig“. An verkaufsoffenen Sonntagen, arbeiten wir „freiwillig“.
Zwei Mal im Jahr müssen wir an einem Sonntag auf eine Messe fahren, natürlich auch „freiwillig“. Wenn wir Besprechungen haben, ist dies natürlich vor Arbeitsbeginn, und auch dort werden wir „freiwillig“ hin zitiert.
Es bleibt zwar unausgesprochen, aber jeder von uns weiß, wer nicht kommt, hat schlechte karten und kann sich nach einem neuen Job umschauen. Ich habe gehört, dass man, wenn man im Monat nur 1.000 Euro zur Verfügung hat, an der Armutsgrenze lebt. Ich frage mich wirklich, warum ich das mache. Als Hartz-IV-Empfänger habe ich ja fast genau so viel, da ich dann ja nicht mehr die ganzen Nebenkosten zahlen muss. Aber ich möchte mir einfach meine Zukunft nicht verbauen und hoffe, irgendwann wieder etwas anderes zu finden.
Einen Betriebsrat gibt es bei uns leider nicht, ich habe mich bei den älteren Kollegen einmal umgehört, sie sagen, eine Lohnerhöhung gab es noch nie. Und die sind teilweise schon 25 Jahre dabei. Daran ändern kann leider keiner etwas. 1.280 Euro ist das monatliche Brutto-Grundgehalt (Brutto-Stundenlohn: 7,50 Euro). Dazu kommen Provision und Prämien von rund 30 bis 200 Euro. Da unser Laden überhaupt nicht läuft, wird natürlich ein enormer Druck auf uns ausgeübt, weil wir ja nichts verkaufen. Das Problem ist klar, wenn keine Kunden in den Laden kommen, können wir auch nichts verkaufen. Es ist grauenhaft. Wenn wir Kollegen untereinander nicht so nett wären, dann wäre ich sicher schon längst dort weg.
Keiner traut sich, einen Betriebsrat zu gründen, es gab wohl mal versuche,
aber das wurde von Chef gleich unterbunden.
-NRW-305-