Schnellzugriff
Ausgerechnet im Deutschen Bundestag werden Sicherheitskräfte beschäftigt, die so wenig verdienen, dass sie trotz Vollzeitjob auf die Unterstützung des Staates angewiesen sind. Das belegen Recherchen des ARD-Magazins Monitor. Die Sicherheitskräfte, die im Bundestag die Schleusenkontrollen durchführen, sind bei einem privaten Dienstleister angestellt. Dort verdienen sie 6,25 Euro pro Stunde.
Monitor liegen Lohnabrechnungen vor, wonach die Sicherheitskräfte bei einer Vollzeittätigkeit auf einen Verdienst zwischen 930 und 960 Euro netto im Monat kommen. Gerade mit Kindern rutscht man damit schnell unter das staatliche Existenzminimum.
„Ich arbeite im Reichstag im Sicherheitsbereich und die Stunden, die ich arbeite, das ist eine Vollzeitbeschäftigung“, berichtet eine anonyme Sicherheitskraft gegenüber Monitor. „Aber trotzdem reicht es hinten und vorne nicht. Deswegen bekomme ich noch das vom Amt, die Aufstockung, wie sich das Ganze nennt.“
Wie viele Sicherheitskräfte im Bundestag insgesamt trotz Vollzeittätigkeit auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, konnte die Bundestagsverwaltung gegenüber dem Politmagazin nicht sagen. „Das sind aber garantiert nicht wenige“, ist sich Jürgen Stahl, Fachbereichsleiter bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sicher.
Doch für die Abgeordneten des Bundestags ist das kein Grund, den Sicherheitsleuten mehr Lohn zu zahlen. Denn alles ist legal, solange die Beschäftigten nach Tarif bezahlt werden. So haben es die Abgeordneten gefordert, nachdem beschlossen wurde, dass bestimmte Tätigkeiten an externe Firmen ausgelagert werden sollten. Weil die Sicherheitskräfte nun nicht im Bundestag direkt angestellt sind, verdienen sie statt 8,45 Euro pro Stunde mehr als zwei Euro weniger. Die Zusatzkosten trägt die Bundesagentur für Arbeit.
„Was die Kostenträgerschaft anbelangt, wenn der Bundestag höhere Löhne zahlen würde, müsste es auch aus dem Bundeshaushalt finanziert werden“, meint der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Heinrich Kolb lakonisch. „Die Kommunen werden möglicherweise ein Stück entlastet, aber aus der Gesamtsicht der öffentlichen Hand würde sich die Kostenbelastung nicht wesentlich verändern.“
„Das ist absurd und kann so nicht weitergehen“, stellt Ulrich Wackerhagen, FDP-Mitglied und Fachanwalt für Arbeitsrecht fest. „Jeder Mensch, der einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, muss so entlohnt werden, dass er staatliche Hilfe nicht in Anspruch nehmen muss.“ Andernfalls sei dies ein Systemfehler, so Wackerhagen.
Für die meisten Abgeordneten des Bundestags allerdings nicht. „Ja, die müssten eigentlich Vorbild sein“, meint Lothar Schmidt, eine Sicherheitskraft im Bundestag. „Aber solange wir hier kein Vorbild sind, dann sagen sich die anderen auch, warum, wieso, weshalb?“
Link dieser Seite
Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch das Jobwunder made in Germany hat eine Kehrseite: Die neuen Arbeitsplätze sind oft unsicher, befristet und schlecht bezahlt. Leiharbeit und Minijobs breiten sich aus, die Lohnentwicklung zeigt nach unten. „Armut im Aufschwung - Der Boom der Billiglöhne“ - darüber diskutiert Thomas Leif in der SWR-Sendung 2+Leif mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Oskar Lafontaine, Fraktionschef der LINKEN im Saarland. SWR, 02.05.2011
Bei der Geburt sind alle Menschen gleich? Von wegen. Ob ein Mensch arm oder reich geboren ist, entscheidet von Anfang an über seine Entwicklungschancen. Die WDR Sendung Quarks & Co. ist den wichtigsten Fragen zum Thema nachgegangen: Wann ist ein Mensch arm, und wie ist der Reichtum in der Gesellschaft verteilt? Welche Chancen haben arme und reiche Kinder in Deutschland auf Karriere, Glück und Gesundheit?
Quarks & Co „Bist du reich genug?“, Sendung vom 12.4.2011
Jung, ausgebildet - prekär beschäftigt. Die Wirtschaft nimmt nach der Krise wieder Fahrt auf, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch so richtig profitieren die jungen Arbeitnehmer noch nicht vom Aufschwung. Leiharbeit und befristete Jobs: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse prägen ihre noch kurzen Erwerbsbiografien. ZDF.reporter, Sendung vom 11.11. 2010
Die gesetzliche Rente für die heute 30- bis 40-jährigen wird mager ausfallen und in Ostdeutschland sogar bedrohlich klein. Der Grund ist lange bekannt: immer weniger Menschen haben lebenslang eine Vollzeitstelle zu einem Tariflohn. „Normal“ werden Phasen ohne Arbeit, oder Teilzeitjobs oder Niedriglöhne, usw. Altersarmut verhindern, aber wie? Markus Schmidt und Kim Otto über - Umschichtung."
Monitor, 25.03.2010