Altersarmut

31.03.2011

Arbeiten bis ins Grab – ein Film von Marcus Weller

Rente mit 67? Schön wär’s! Detlef H. ist 69 Jahre alt und arbeitet immer noch auf dem Bau – jeden Tag. Der Rücken tut ihm weh, sein Körper spürt die Folgen der jahrelangen schweren Arbeit. Aber Detlef H. hat keine Wahl. 2.000 Euro muss er monatlich verdienen; ein Schicksalsschlag in der Familie zwingt ihn dazu. Und so ist Detlef H., der eigentlich seinen Ruhestand genießen sollte, froh über jeden Auftrag, den er als selbstständiger Subunternehmer auf einer Baustelle bekommt.

So wie Detlef H. geht es immer mehr „Ruheständlern“ in Deutschland. Und längst nicht alle werden von der Statistik erfasst. Marcus Weller hat einen Film über die Rentner gedreht, die nicht zur Ruhe kommen. Dafür hat er alte Menschen porträtiert, die nach wie vor im Arbeitsleben stehen. Bei den meisten stehen finanzielle Gründe im Vordergrund. Zum Beispiel bei Günther H., 72, der sich als Gärtner bei einem Industriebetrieb 400 Euro hinzu verdient. Seine 782 Euro Rente reichen nicht zum Leben, sind aber zu viel, um Mietzuschuss oder Gebührenbefreiung zu bekommen. Also arbeitet er – trotz Rückenschmerzen und gegen den Rat seines Arztes.

Aber es gibt auch andere Beispiele: Rosemarie C., ebenfalls 72, möchte nicht zu Hause sitzen. Lieber etwas tun und dafür anerkannt werden. Die ehemalige Straßenbahnfahrerin arbeitet als Putzfrau. Jeden Tag steht sie um drei Uhr morgens auf.
So unterschiedliche die Motive der von Marcus Weller porträtierten älteren Menschen sind, haben sie doch eines gemeinsam: Anstatt sich zur Ruhe zu setzen, arbeiten sie – bis sie tot umfallen. Der Inhaber eines Schlüsseldienstes, den Weller für seine Dokumentation aufgesucht hatte, starb kurz vor Beginn der Dreharbeiten.

Der Film „Arbeiten bis ins Grab – wenn die Rente nicht reicht“ von Marcus Weller lief am 5. Juli 2010 auf 3Sat.

 
 

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Monitor, 25.03.2010

 
 
 

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