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Die Aufstockung niedriger Löhne durch die Arbeitsagenturen hat massive Anreize für Unternehmen geschaffen, die Arbeitsentgelte zu drücken und ihre Mitarbeiter auszubeuten. Ein Mindestlohn würde dieser Praxis einen Riegel vorschieben.
Anfang 2010 wurde der Fall einer Pizzeria in Stralsund bekannt, die ihren Mitarbeitern Stundenlöhne von teilweise nur 1,32 Euro gezahlt hatte. Diese Hungerlöhne ließ das Unternehmen von der Arbeitsagentur aufstocken. Der Fall wurde öffentlich, weil die Arbeitsagentur Stralsund gegen den ehemaligen Betreiber der Pizzeria vor Gericht gezogen war. Das Arbeitsgericht gab der Behörde teilweise Recht. 6.600 Euro musste der Unternehmer erstatten. Zum Bericht..
Ebenfalls Anfang 2010 enthüllte das ZDF-Magazin Frontal 21 die sittenwidrige Praxis der Autowaschkette „Mr. Wash“. Das Unternehmen, das 32 Filialen in ganz Deutschland hat, bezahlte seine Aushilfskräfte nicht pro Stunde, sondern pro gewaschenem Auto. Die Wartezeit wurde nicht entlohnt. An schlechten Tagen kamen die Beschäftigten nur auf wenige Euro. Auch Mr. Wash ließ die Löhne von der Arbeitsagentur aufstocken. Zum Bericht..
Offizielle Zahlen über Ausbeutung mit Hilfe von Hartz-IV-Aufstockung gibt es nicht. Doch immer wieder kommt es vor, dass Unternehmen staatliche Transferleistungen nutzen, um die Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiter zu drücken. Nach Aussage von Peter Hüfken, Leiter der Stralsunder Arbeitsagentur, sind solche Fälle insbesondere in der Gastronomie, der Dienstleistungsbranche, aber auch bei sozialen Trägern bekannt. In mindestens 50 Fällen hat seine Behörde geklagt, weil Unternehmen Löhne zahlten, die ein Drittel unterhalb der üblichen Vergütung lagen und damit laut Gesetz als „sittenwidrig“ gelten. Sie war die erste Arbeitsagentur, die zu diesem Mittel griff. Viele Behörden sind froh, wenn sie Erwerbslose überhaupt vermitteln können, oder sie scheuen aus Überlastung oder Unwissenheit den Gang zum Gericht.
Fast 30 Prozent der insgesamt fünf Millionen ALG-II-Bezieher zwischen 15 und 64 Jahren haben einen Job und erhalten zusätzlich Leistungen der Arbeitsagenturen. Natürlich sind nicht all diese Menschen Opfer von Ausbeuter-Firmen. Aber solange die Politik Anreize für solche sittenwidrigen Praktiken schafft, wird es Unternehmen geben, die die Möglichkeiten ausnutzen, um sich Wettbewerbsvorteile gegenüber ihren Konkurrenten zu verschaffen.
Sittenwidrige Löhne schaden den Beschäftigten, den sozialen Sicherungssystemen und der ganzen Gesellschaft. Ein gesetzlicher Mindestlohn kann dieser schamlosen Ausbeutung ein Ende setzen.
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Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch das Jobwunder made in Germany hat eine Kehrseite: Die neuen Arbeitsplätze sind oft unsicher, befristet und schlecht bezahlt. Leiharbeit und Minijobs breiten sich aus, die Lohnentwicklung zeigt nach unten. „Armut im Aufschwung - Der Boom der Billiglöhne“ - darüber diskutiert Thomas Leif in der SWR-Sendung 2+Leif mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Oskar Lafontaine, Fraktionschef der LINKEN im Saarland. SWR, 02.05.2011
Bei der Geburt sind alle Menschen gleich? Von wegen. Ob ein Mensch arm oder reich geboren ist, entscheidet von Anfang an über seine Entwicklungschancen. Die WDR Sendung Quarks & Co. ist den wichtigsten Fragen zum Thema nachgegangen: Wann ist ein Mensch arm, und wie ist der Reichtum in der Gesellschaft verteilt? Welche Chancen haben arme und reiche Kinder in Deutschland auf Karriere, Glück und Gesundheit?
Quarks & Co „Bist du reich genug?“, Sendung vom 12.4.2011
Jung, ausgebildet - prekär beschäftigt. Die Wirtschaft nimmt nach der Krise wieder Fahrt auf, die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch so richtig profitieren die jungen Arbeitnehmer noch nicht vom Aufschwung. Leiharbeit und befristete Jobs: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse prägen ihre noch kurzen Erwerbsbiografien. ZDF.reporter, Sendung vom 11.11. 2010
Die gesetzliche Rente für die heute 30- bis 40-jährigen wird mager ausfallen und in Ostdeutschland sogar bedrohlich klein. Der Grund ist lange bekannt: immer weniger Menschen haben lebenslang eine Vollzeitstelle zu einem Tariflohn. „Normal“ werden Phasen ohne Arbeit, oder Teilzeitjobs oder Niedriglöhne, usw. Altersarmut verhindern, aber wie? Markus Schmidt und Kim Otto über - Umschichtung."
Monitor, 25.03.2010