Menschen mit niedrigen Einkommen sind häufiger krank
Dieser Zusammenhang von Gesundheitszustand und Einkommensniveau wird regelmäßig in wissenschaftlichen Studien belegt. Jüngst dokumentierte das Max-Planck-Institut den Einfluss des Einkommens auf Gesundheit und Lebenserwartung. Der Studie zufolge sinkt und steigt die Lebenserwartung von Erwerbstätigen mit ihrem Einkommen. Bis zu zehn Jahre kann demnach die Lebenserwartung von 65-Jährigen einkommensbedingt variieren. Mit anderen Worten: Wer weniger verdient, stirbt früher.
Beschäftigte im Niedriglohnsektor sparen sich den Arztbesuch
Für Menschen im Niedriglohnsektor stellen die seit Jahren steigenden Beiträge zur Krankenversicherung eine täglich spürbare Belastung dar. Da zudem der Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen stetig reduziert wird, sind auch sie zunehmend auf private Gesundheitsvorsorge angewiesen. Und sei es nur, um Erkältungsmittel selber zu kaufen, damit der schlecht bezahlte Arbeitsplatz nicht durch krankheitsbedingte Fehlzeiten in Gefahr gebracht wird. Ein Verhalten, dass mittlerweile bei allen Beschäftigten unabhängig vom Einkommen zu beobachten ist.
Durch Niedriglöhne wird Gesundheit zum Luxus
Laut Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums sind die krankheitsbedingten Fehltage in deutschen Betrieben seit Jahren auf einem historischen Tiefstand. Dies ist kein Ausdruck einer verbesserten Volksgesundheit, sondern vielmehr das sichtbare Zeichen der grassierenden Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Für Menschen, deren Lohn kaum zum Leben reicht, werden Versicherungskosten, Vorsorge und gesunde Lebensführung schnell zu einem unerschwinglichen Luxus.
Ohne Beiträge keine solidarische Gesundheitsversicherung
Doch der gesetzliche Mindestlohn schützt nicht nur die Gesundheit des Einzelnen heute. Er stützt auch das öffentliche Gesundheitssystem und sichert damit die Gesundheit aller in der Zukunft. Denn dieses System basiert auf dem solidarischen Ausgleich unter allen Einzahlenden. Wer viel verdient zahlt mehr, wer wenig verdient, zahlt entsprechend weniger. Der Beitrag jeder und jedes Einzelnen richtet sich also nach der finanziellen Leistungsfähigkeit und nicht nach dem persönlichen Krankheitsrisiko. Hohe Arbeitslosigkeit, der Abbau sozialversicherungspflichtiger Jobs und die Zunahme der Beschäftigung im Niedriglohnsektor haben also immer niedrigere Beiträge zur Folge. Gleichzeitig wird es Besserverdienenden immer leichter gemacht, sich privat zu versichern. Das sind die Hauptursachen der Finanzierungslücke im öffentlichen Gesundheitswesen: Bei gleichbleibenden Kosten brechen die Einnahmen weg. Bei jeder weiteren Reform, muss den Verantwortlichen klar sein: Eine fortlaufende Ausweitung des Niedriglohnsektors sprengt die Finanzierungsgrundlage jedes solidarischen Gesundheitssystems.

