Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, will mit der Einführung von Mindestlöhnen und Gehaltserhöhungen Deutschlands Abhängigkeit vom Export reduzieren.
„Wir müssen über Mindestlöhne und insgesamt über kräftige Lohnerhöhungen die Kaufkraft der Menschen erhöhen. Es war ein Fehler der Politik der letzten Jahre, einseitig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auszubauen. Die Exportwirtschaft expandierte, doch die Binnenmärkte stagnierten“, so der Wirtschaftsweise bei einer Veranstaltung in Nürnberg.
Bofinger forderte daher einen Paradigmenwechsel. Anstelle des kurzfristigen neoliberalen Egoismus müsse eine langfristige nachhaltige Kultur des Wirtschaftens treten. Der Ökonom sprach sich für starke Gewerkschaften und einen starken Staat aus. „Der Staat ist ein verlässlicher Akteur. Das hat er in der Krise bewiesen. Das muss auch die schwarz-gelbe Bundesregierung zur Kenntnis nehmen“.
Der fünfköpfige Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatte sich in der Vergangenheit wiederholt gegen die Einführung von Mindestlöhnen ausgesprochen. Bofinger wendet sich gegen die Empfehlung seiner Kollegen und stärkt den Gewerkschaften bei ihrer Forderung nach einem Mindestlohn den Rücken.

