„Wir wollen durch Qualität überzeugen“
Das Geschäft mit der Sicherheit ist ebenso hart wie lukrativ. Rund 3.500 Anbieter unterbieten sich oft gegenseitig, um Aufträge zu bekommen. Meist zulasten von Lohn und Arbeitsbedingungen. Friedrich P. Kötter, Chef des zweitgrößten Unternehmens der Branche, Kötter Services, hält diesen Preiskampf für schädlich. Sein Unternehmen wolle „durch Qualität überzeugen“, erklärt er im Interview mit der Tageszeitung Die Welt. Das Personal für die Fluggast- und Gepäckkontrollen am Düsseldorfer Flughafen werde beispielsweise deutlich länger geschult als gesetzlich vorgeschrieben.
Mindestlohn für mehr Qualität
Damit der Wettbewerb in der Branche „über Qualität und nicht über billige Löhne auf dem Rücken der Mitarbeiter“ stattfinden kann, spricht sich Kötter seit einiger Zeit für gesetzliche Lohnuntergrenzen aus. Die von ver.di und dem Arbeitgeberverband ausgehandelten Mindestlöhne „könnten im Herbst genehmigt werden und würden dann ab 1. Januar 2011 wirksam werden“, hofft der Unternehmer. Doch auch die Auftraggeber „müssen genau überlegen, wem sie sich in Sachen Sicherheit anvertrauen“, fordert Kötter. „Einen billigeren Anbieter werden Sie immer finden“. Bei Ausschreibungen würden sich noch immer viele für den niedrigsten Preis statt für den besten Anbieter entscheiden.
Wisag-Chef: Ohne Mindestlohn sind massenhaft Arbeitsplätze in Gefahr
Die mangelnde Bereitschaft, für Dienstleistungen angemessene Preise zu zahlen, beklagt nicht nur Kötter Services. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet Michael Wisser, der Chef des Frankfurter Gebäudedienstleisters und Kötter-Konkurrenten Wisag, viele Kunden würden sich dagegen sträuben, die mit der Erhöhung des Gebäudereiniger-Mindestlohns ebenfalls gestiegenen Preise für die Reinigungsdienste zu zahlen. Dennoch, fordert Wisser, brauche Deutschland eine Mindestlohnregelung. Sonst seien durch die ab Mai 2011 geltende volle Arbeitnehmerfreizügigkeit „massenhaft“ Arbeitsplätze von gering qualifizierten Beschäftigten in Gefahr.

