Der Fall lässt erahnen, was Beschäftigten in der gesamten EU blüht, wenn ab 2011 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt. Schauplatz ist das niedersächsische Oldenburg. Protagonisten sind der dänische Fleischkonzern Danish Crown, eine zypriotische Leiharbeitsfirma mit Sitz in Dublin, 32 rumänische Fleischzerleger sowie die Oldenburger Staatsanwaltschaft. Und es geht um grenzübergreifendes Lohndumping und Ausbeutung.
Über das Internet warb ein Subunternehmer für Danish Crown die 32 Fleischzerleger aus Rumänien an. Angelockt von dem Versprechen, in Oldenburg warte ein für rumänische Verhältnisse lukrativer Job auf sie, kamen sie in die niedersächsische Stadt und zerlegten nachts Schweinehälften. Den versprochenen Stundenlohn haben sie jedoch bis heute nicht erhalten. „Für 152 Arbeitsstunden hätte man mir bei einem zugesagten Stundenlohn von 7,50 Euro einen Lohn von 1140 Euro zahlen müssen. Tatsächlich erhielt ich nur 467,69 Euro. Das entspricht einem Stundenlohn von drei Euro“, wird einer der ausgebildeten Fleischer in der lokalen Nord-West-Zeitung (NWZ) zitiert. Zehn seiner Kollegen hätten Ende Januar noch immer auf ihr Dezember-Gehalt gewartet.
Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt
An die Öffentlichkeit gelangte der Fall, weil sich die Fleischer aus Rumänien wehrten, indem sie sich an das Oldenburger Hauptzollamt wandten. Kurz danach sei ein Schlägertrupp auf sie angesetzt worden, klagt einer der Arbeiter in einem Nachrichtenbeitrag der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Nun ermittelt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FSK) und die Staatsanwaltschaft gegen die zypriotische Leiharbeitsfirma mit Sitz in Dublin. Der Verdacht: Massives Lohndumping. „Möglicherweise kommt noch illegale Beschäftigung hinzu. Wir werten dazu derzeit die Unterlagen der Arbeiter aus“, gab ein Sprecher der FSK gegenüber der NWZ an. Danish Crown selbst weist alle Verantwortung von sich und versucht, sie auf das Subunternehmen abzuwälzen. „Wir werden das Ganze jetzt bei unserem Vertragspartner kritisch hinterfragen“, erklärte Holger Evers, Finanzdirektor von Danish Crown Deutschland in Reaktion auf die Vorwürfe.
Im Unterbietungswettbewerb verlieren immer die Beschäftigten
Danish Crown hat seinen guten Ruf nachhaltig beschädigt. In Dänemark werden Arbeitsplätze abgebaut, Arbeit wird nach Deutschland verlagert. Fleischzerlegung ist arbeitsintensiv und in der dänischen Fleischindustrie gilt ein tariflicher Stundenlohn von knapp 20 Euro. „Die systematische Nutzung prekärer und unterbezahlter Wanderarbeiter aus Osteuropa ist ein Grund dafür, dass jährlich 7 Millionen Schweine zur Zerlegung nach Deutschland transportiert werden “, beklagt die Internationale Nahrungsmittelgewerkschaft IUF. Dabei hätten in Dänemark über die letzten Jahre über 3000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren. In diesem internationalen Unterbietungswettbewerb gewinnen am Ende nur die Unternehmen. Das macht der Fall der rumänischen Beschäftigten einmal mehr deutlich. Die Verlierer sind die Beschäftigten, ob in Dänemark, Deutschland oder Rumänien. Damit sich dieser Wettbewerb ab 2011 nicht noch verschärft, braucht Deutschland dringend einen gesetzlichen Mindestlohn.

