Deutschland Billiglohnkonkurrenz für Dänemark
In der dänischen Fleischwirtschaft sind im vergangenen Jahr nicht weniger als 2.600 Stellen abgebaut worden. Danish Crown, eins der größten Schlachtunternehmen der Welt, hat die Stellen in ein Niedriglohnland verlagert. Nach Deutschland. „Deutsche Billiglöhne von unter zehn Euro pro Stunde für Fachkräfte führen zunehmend zu Wettbewerbsnachteilen für die dänischen Schlachtbetriebe“, beklagte Ole Wehlast, Präsident der dänischen Nahrungsmittelgewerkschaft (NNF) bei einem Treffen mit der deutschen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Hamburg. „Wir werden den Verlust von Arbeitsplätzen in unserem Heimatland nicht kampflos hinnehmen und uns mit Unterstützung unserer europäischen KollegInnen gegen Lohndumping wehren“.
NGG und NFF: Gemeinsam gegen Lohndumping
In Dänemark sind die meisten Fachkräfte der Branche gewerkschaftlich organisiert. Der tarifliche Stundenlohn liegt bei rund 20 Euro und wird bei einer Tarifbindung von über 90 Prozent in fast der gesamten Branche gezahlt. Deutschland ist direkter Nachbar von Dänemark und doch könnten die Verhältnisse kaum unterschiedlicher sein. Für Dumpinglöhne zwischen fünf und neun Euro wird in der deutschen Schlachtindustrie gearbeitet. Um die Bezahlung immer weiter zu drücken, würden Schlachter aus Osteuropa angeworben, beklagt Claus-Harald Güster, stellvertretender Vorsitzender der NGG. Nur die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns könne ein weiteres Lohndumping verhindern, so der Gewerkschafter. Die Lohnuntergrenze müsse zunächst bei 7,50 Euro pro Stunde liegen und bald auf 9 Euro hochgesetzt werden.
Mindestlohn verhindert europäische Abwärtsspirale
Um Beschäftigung zu sichern, brauche Deutschland einen Niedriglohnsektor. So lautet ein häufiges Argument gegen eine gesetzliche Lohnuntergrenze. Ein Mindestlohn hingegen würde Unternehmen dazu veranlassen, Arbeitsplätze ins billigere Ausland zu verlagern. Das Beispiel Danish Crown zeigt jedoch, dass es den Mindestlohngegnern nicht um das Wohl der Beschäftigten geht. Denn im Wettkampf um die niedrigsten Löhne können am Ende nur die Arbeitgeber gewinnen. Die hohen Arbeits- und Lohnstandards sind für Arbeitnehmer in Dänemark erst zum Wettbewerbsnachteil geworden, seit sie im Nachbarland so deutlich unterboten werden. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis Danish Crown seine Zelte in Deutschland abbaut und da wieder aufschlägt, wo das Lohnniveau noch niedriger ist.
Die Einführung eines Mindestlohns in Deutschland ist daher nicht nur von nationaler Bedeutung. Wächst der Niedriglohnsektor in Deutschland weiter, steigt der Druck auf andere Sozialstaaten der Europäischen Union. Ein Unterbietungswettkampf in der EU hätte negative Folgen für alle Unionsbürger. Nur durch ähnliche Mindeststandards in allen Mitgliedsstaaten könnte er entschärft werden. Und wie das Beispiel Danish Crown zeigt, hat Deutschland hier bereits einigen Nachholbedarf.

