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AWO-Sozialbarometer: 90 Prozent für Mindestlöhne

Noch immer wird in der Bundesregierung über jeden neuen Branchenmindestlohn gestritten. Die Bevölkerung hingegen hat sich in dieser Frage längst entschieden. Dem neuen AWO-Sozialbarometer, das TNS Infratest im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (AWO) erstellt hat, ist eine überdeutliche Mehrheit von insgesamt 90 Prozent für die Einführung von Mindestlöhnen. 67 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Lohnuntergrenze in allen Branchen aus. Weitere 23 Prozent hielten Mindestlöhne nur in bestimmten Branchen für notwendig. Grundsätzlich dagegen waren nur 7 Prozent.

„Die Einführung eines Mindestlohns ist schlicht ein Gebot der sozialen und wirtschaftlichen Vernunft“, kommentierte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Ergebnisse. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen in unsicheren Zeiten mehr denn je eine verbindliche Lohnuntergrenze wünschen“, so Stadler. Die AWO sehe sich in ihrer jahrelangen Forderung nach Mindestlöhnen bestätigt. „Umso unverständlicher“ sei es, „warum Teile der Politik dies nicht wahrhaben wollen“. Das bedeute, „sehenden Auges soziale Spaltungen in unserer Gesellschaft in Kauf“ zu nehmen.

 

Auch FDP-Anhänger mehrheitlich für Mindestlöhne

Die hohe Zustimmung zu Mindestlöhnen zieht sich dabei durch alle Teile der Gesellschaft. Unter den Spitzenverdienern (über 3.000 Euro Nettoeinkommen) ist die grundsätzliche Ablehnung von Lohnuntergrenzen mit 3 Prozent sogar am niedrigsten. In der untersten (bis 1.500 Euro Nettoeinkommen) und der mittleren Einkommensgruppe (bis 3.000 Euro) wollen allein 70 Prozent einen branchenübergreifenden Mindestlohn.

Auch nach Parteienpräferenz unterschieden sind die Abweichungen nur gering. Selbst unter FDP-Anhängern ist eine klare 79-prozentige Mehrheit für Mindestlöhne. Nur 14 Prozent wollen grundsätzlich keine Lohnuntergrenzen. Bei den anderen Parteien lag die Ablehnung zwischen 3 Prozent bei den Grünen und 8 Prozent bei der Union.



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