SWR3 vom 10. September 2009
Beitrag zum Bündnis für einen Mindestlohn, Video-Beitrag
Billigpreise, Billiglöhne. Beim Kleidungsdiscounter KIK ist alles billig. 4,50 Euro in der Stunde sollten zwei Frauen aus dem Ruhrgebiet für die Arbeit im Laden bekommen. Eine allein erziehende Mutter mit zwei Kindern kann von so wenig Geld nicht leben. Dennoch wollte das Jobcenter sie zwingen, die Arbeit anzunehmen. „Sittenwidriger Lohnwucher“ urteilte das Arbeitsgericht. Das ARD-Magazin Monitor zeichnete den Fall in seiner Sendung am 2. April 2009 nach.
Ausbeutung, Einschüchterung, miese Bezahlung. Rund 1,4 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland können trotz einer Vollbeschäftigung von ihrem Lohn nicht leben. Sie erhalten Hungerlöhne von nicht einmal fünf Euro in der Stunde, schuften 40 Stunden und mehr in der Woche – und das Geld reicht hinten und vorne nicht. Sie müssen aufstocken, bekommen Hartz IV vom Staat. Redakteure der Sendung Markt vom NRD recherchierten in Mecklenburg-Vorpommern.
Billig, billiger, Billiglohn. Am Flughafen in München reiben sich die Beschäftigten vor Verwunderung die Augen. Unter fadenscheinigen Gründen werden Arbeitnehmer entlassen, um über den Weg der Arbeitsvermittlung und unter dem Dach einer Leiharbeitsfirma wieder an ihrem alten Arbeitplatz eingesetzt zu werden – allerdings mit längerer Arbeitszeit und einem Drittel weniger Lohn. Das Politik-Magazin Panorama erklärt den bayerischen Turbokapitalismus.
Das ist moderne Sklaverei: Auf dem Rücken ihrer Beschäftigten scheffeln Call-Center in Deutschland jedes Jahr Millionen. Die Arbeitnehmer erhalten Hungerlöhne von fünf bis sieben Euro in der Stunde, von denen sie nicht leben können. Und ihre Chefs freuen sich über ihre prall gefüllten Geldbörsen. Viele Call-Center-Betreiber bereichern sich gleich doppelt: zum einen beuten sie ihre Angestellten aus, zum anderen kassieren sie Millionen Euro vom Staat als Subvention. Frontal 21 deckte den Skandal auf.
Zu üblen Methoden und fiesen Tricks greifen Unternehmen, um ihre teils langjährigen Mitarbeiter zu feuern. „Dumpinglöhne statt Tarifvertrag“ lautet die Devise und dafür ist den Arbeitgebern jedes Mittel recht. Die Beschäftigten werden unter Druck gesetzt und überrumpelt, bis sie ihre eigene Kündigung unterschreiben. Ihren Platz nehmen Billiglöhner ein, die von ihrem Armutslohn keine vernünftige Existenz finanzieren können. Das ARD-Magazin Panorama stellt im April haarsträubende Fälle vor.
Was haben Deutschland und Zypern gemeinsam? Sie sind die einzigen beiden Länder in der Europäischen Union, in denen es keinen gesetzlich garantierten Mindestlohn gibt. Während in Frankreich die Arbeitnehmer bereits seit fast 60 Jahren das Recht auf einen Mindestlohn haben, arbeitet in Deutschland fast jeder zweite Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Viele davon leben unter der Armutsgrenze, obwohl sie Vollzeit malochen. Die SPD setzt sich für den Mindestlohn ein.
Mit einer Reihe von Musterprozessen gehen die Arbeitsvermittler (Arge) in Stralsund gegen Arbeitgeber vor, die ihre Beschäftigten für Billiglöhne schuften lassen. Die Arge meint, dass Arbeitnehmer mit einem Stundenlohn von nur zwei Euro oder noch weniger, nicht in der Lage seien, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten – sie seien auf Geld vom Staat angewiesen. Diese modernen Ausbeuter dürften damit nicht durchkommen, meinen die Jobvermittler.
Frontal 21 berichtete am 30. Juni 2009 über Dumpinglöhne am Ostseestrand.
Beitrag zum Bündnis für einen Mindestlohn, Video-Beitrag
"Dumpinglohn-Barometer im Dienstleistungssektor" von Lucke, Marion, Audio-Beitrag
Sklaven am Wok - Bundesweite Razzia in 200 China-Restaurants zeigt auf, dass in der Kurpfalz in einem Restaurant Lohn von drei Euro pro Stunde gezahlt, teilweise wird bis zu 20 Stunden am Tag gearbeitet, Audio-Beitrag
Dumpinglohn für Zimmermädchen
Ein Audio-Beitrag zum Dumpinglohnmelder
KiK Lohnwucher
Schlecker-Dumpinglohn
Lohndumping bei Aufstockern
Dumpinglohn im Call-Center

Es diskutieren:
Ein Zusammenschnitt der Diskussion
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Brauchen wir mehr Anreize oder fehlen nicht eigetnlich die Angebote? Was kann der Staat von den Arbeitslosen verlangen? Guter Lohn für gute Arbeit oder arbeiten für jeden Preis?
Es diskutierten:

Es diskutierten:
Wirtschaftsminister Glos sprach sich gegen die Einführung eines Mindestlohnes aus: Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema Mindestlohn interessant finde, sei er "deswegen noch lange nicht dafür", sagte er in der ZDF-Sendung. "Die Bundeskanzlerin findet sehr vieles interessant, was wir dann nicht verwirklichen", so der Minister. Richtig sei jedoch, dass es für "gute Arbeit gutes Geld" geben müsse.
Der SPD-Sozialexperte Ottmar Schreiner meinte, die Einkommen von 500 Euro für Friseurinnen in Brandenburg seien "Hungerlöhne, von denen kein Mensch leben kann". Was in Westeuropa gut funktioniere, müsse "auch bei uns im reichen Deutschland möglich sein".
Mehr zur Sendung im online-Angebot des ZDF...
Die NGG meldet: 'Die von Familienministerin Kristina Schröder angekündigten Konsequenzen aus...
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